Die offene Datenplattform vereint Datenmodellierung, Datenintegration und Veröffentlichung in einer gemeinsamen Oberfläche. Für die CIVITAS/CORE-Community ist das ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer dauerhaft souveränen Dateninfrastruktur für den öffentlichen Sektor.
Nach der Beta und dem Release Candidate ist CIVITAS/CORE 2.0 für den produktiven Betrieb und das Management realer Daten bereit. Umfangreiche Tests und die gemeinsame Erprobung haben dazu beigetragen, zentrale Abläufe zu stabilisieren und die neue Generation für den kommunalen Alltag zu finalisieren.
Die Hauptentwicklung wurde maßgeblich von den Städten Osnabrück, Münster, Paderborn, Jena, Kassel, Bamberg, Haßfurt und Mönchengladbach finanziert, unterstützt durch Fördermittel des Programms Modellprojekte Smart Cities (MPSC). Diese Städte sind mit Unterstützung des Vereins und Expertise vom Civitas Connect Team eine Beschaffungskooperation eingegangen, um im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung diesen Kraft-Akt zu meistern. Das ist eine außerordentliche Leistung aller Beteiligten. Dafür gibt es in Deutschland bisher keine Vorlage, die man einfach kopieren kann. Das ist vorbildliche Pionierarbeit.
Diese acht Städte der Beschaffungskooperation sind Teil der inzwischen auf 20 Mitglieder gewachsenen CIVITAS/CORE-Community – einer Gemeinschaft aus Kommunen, Länder und kommunale Unternehmen, die gemeinsam die Souveränität über CIVITAS/CORE ausübt. Während die acht Städte im Rahmen der Beschaffungskooperation die Verantwortung für die von ihnen finanzierte Hauptentwicklung tragen, werden wesentliche Entscheidungen über die übergreifende Weiterentwicklung von CIVITAS/CORE von der Gemeinschaft nach ihren basisdemokratischen Mehrheitsprinzipien getroffen.
Die CIVITAS/CORE Community ist der Souverän von CIVITAS/CORE:Sie legt die Roadmap fest, verwaltet das gemeinsame Budget und treibt die langfristige Verstetigung der Software voran. Die Steuerung bleibt damit in öffentlicher Hand. Die vollständig offene Entwicklung und der betreiber- und dienstleisterneutrale Einsatz geben öffentlichen Akteuren die Möglichkeit, ihre Dateninfrastruktur selbstbestimmt zu gestalten.
Insgesamt sind rund fünf Millionen Euro in das Projekt geflossen, überwiegend aus MPSC-Fördermitteln. Aus diesen Mitteln ist nicht eine proprietäre Lösung für einzelne Auftraggeber entstanden, sondern eine offene Softwarebasis, die auch Kommunen und öffentliche Einrichtungen außerhalb der Entwicklungsgemeinschaft nutzen, prüfen und weiterentwickeln können.
An der Version 2 von CIVITAS/CORE haben insgesamt 39 Personen mitgearbeitet. 29 von ihnen haben mindestens einen Projekt-Commit beigetragen. Diese sog. Contributors haben 1.288 Merge Requests (=Vorschläge über neue Softwareteile oder -Änderungen) sowie 2.441 Issues erstellt. 78 Prozent der erstellten Merge Requests wurden bisher zusammengeführt. Die Zusammenarbeit seit Beginn der Hauptentwicklung im August 2025 verteilt sich auf 22 Git-Repositories. Hinter dem Release stehen also viele Menschen, die Anforderungen eingebracht, entwickelt, getestet und gemeinsam Lösungen erarbeitet haben.
Version 2 setzt auf einen modellzentrierten Ansatz: Nutzende beschreiben Datenstrukturen und Datenflüsse in der Management-Oberfläche von CIVITAS/CORE. Daten aus unterschiedlichen fachlichen Kontexten lassen sich dort aufbereiten und über standardisierte Schnittstellen weitergeben. So werden alle relevanten Arbeitsschritte in einer einzigen einheitlichen Oberfläche gebündelt:
– Daten modellieren und verarbeiten. Modellierungs- und Pipeline-Editoren unterstützen die Strukturierung und Zuordnung von Daten. Ein Assistent begleitet die Erstellung und Pflege von Datensätzen.
– Quellen anbinden und Daten bereitstellen. MQTT- und SQL-Integrationen sowie FROST/SensorThings-Workflows verbinden Datenquellen und Verarbeitung. Sensordaten können über die OGC SensorThings API bereitgestellt werden.
– Geodaten und Dashboards nutzen. GeoServer stellt räumliche Daten über WMS und WFS bereit. Apache Superset unterstützt die Analyse und Visualisierung in Dashboards.
– Zusammenarbeit gezielt steuern. Data Pools ordnen Daten nach Fachbereichen, Projekten oder Organisationen. Benutzer, Rollen, Gruppen und Berechtigungen regeln den Zugriff.
– Betrieb und Abläufe stabilisieren. Multi-Instance- und Multi-Namespace-Deployments unterstützen getrennte Plattformumgebungen. Die RC2-Testphase hat unter anderem Veröffentlichung, Datenpipelines und Berechtigungen weiter verbessert.
Das rund 15-minütige Demo-Video zeigt die neue Generation in der Praxis. Die Aufzeichnung basiert auf dem zweiten Release Candidate (RC2) und gibt einen anschaulichen Einblick in Oberfläche und Funktionalität:
Wir haben CIVITAS/CORE 2.0 umfangreich getestet, u.a. mit einem umfangreichen Penetrationstest. Zwölf Prozent unseres Budgets fließen aktuell monatlich allein in IT-Sicherheit. Damit ist Sicherheit fest im Entwicklungsprozess und in der Ressourcenplanung verankert.
Unser Secure Software Development Lifecycle (SSDLC) beschreibt, wie Sicherheitsanforderungen von der ersten Anforderung bis zur Wartung berücksichtigt wird. Dazu gehören u. a. Authentifizierung und Autorisierung, Bedrohungsanalysen, Software-Härtung, Sicherheitsprüfungen und der Umgang mit Schwachstellen. Software-Stücklisten (SBOMs) machen eingesetzte Komponenten nachvollziehbar. Die Sicherheitsarchitektur legt die zugrunde liegenden Prinzipien fest.
Im Conformance Statement zur BSI TR-03187 dokumentieren wir transparent, in welchem Umfang CIVITAS/CORE die Anforderungen an Urbane Datenplattformen erfüllt. Ziel ist Schutzlevel 1 für die Rollen Entwickler und Lösungsanbieter. Anforderungen an Betreiber und die Prüfung von Drittkomponenten sind vom beschriebenen Bewertungsumfang ausgenommen. Für einen sicheren produktiven Einsatz müssen auch Betreiber außerdem die erforderlichen Maßnahmen in ihrer eigenen Umgebung umsetzen.
In den kommenden Monaten erweitern wir den Funktionsumfang in der Breite und in der Tiefe. Geplant ist unter anderem eine NGSI-Schnittstelle, um alle Anwendungsfälle zu ermöglichen, die auf diesem Standard basieren. In der Tiefe werden der Pipeline-Editor und der Modellierungseditor zusätzliche Werkzeuge erhalten, um komplexere Anforderungen des kommunalen Datenmanagements abzubilden. Die CIVITAS/CORE-Community priorisiert aktuell diese Planungen und wird die Ergebnisse voraussichtlich als Release 2.1 in ein paar Monaten veröffentlichen.
Gleichzeitig beginnt mit dem Auslaufender MPSC Förderung seine neue Phase für CIVITAS/CORE. Die langfristige Verstetigung der gemeinsam geschaffenen Softwarebasis wird künftig noch stärker davon abhängen, dass sich weitere Akteure beteiligen – finanziell ebenso wie durch Entwicklungsressourcen, fachliche Expertise und konkrete Beiträge zum Projekt.
Dazu kommt die CORE/COMMUNITY am 12. Oktober in Berlin mit relevanten Partnern zusammen. Interessierte, die sich an der weiteren Entwicklung und Verstetigung von CIVITAS/CORE beteiligen möchten, sind herzlich eingeladen, dazuzukommen.
Mit dem produktionsreifen Release beginnt nun der Einsatz in der Praxis.
Wir laden Kommunen, kommunale Unternehmen und weitere öffentliche Akteure ein, CIVITAS/CORE 2.0 einzusetzen und ihre Erfahrungen mit der Community zu teilen.
Wir freuen uns über technisches und nichttechnisches Feedback jeder Art: Fehlerberichte, Verbesserungsideen, Rückmeldungen zur Bedienbarkeit und Dokumentation sowie Erfahrungen aus konkreten Anwendungsfällen.
Für Fragen, Diskussionen, Kritik und Lob steht das CIVITAS/CORE Forum offen. Und natürlich sind Beiträge zum Code besonders willkommen!